Sibylle Duhm-Arnaudov

Interventionen

Intervention – zum Begriff

In der Kunst bezeichnet „Intervention“ eine künstlerische Aktion im öffentlichen Raum. Macht z. B. ein Künstler auf der Straße Musik oder spielt er eine Theaterszene, tritt er mit dem Fluidum des Raums und mit den ihn bevölkernden Menschen in Beziehung, erregt ihre Aufmerksamkeit; möglicherweise provoziert er Reaktionen seines Publikums, die sich im Denken oder Handeln des Reagierenden ereignen können.  Es entsteht ein spezifisches Spannungsverhältnis zwischen dem künstlerisch Agierenden, dem Präsentierten und den (freiwilligen oder unfreiwilligen) Rezipienten.

Der Künstler wird die Intensität des Spannungsverhältnisses zu steuern versuchen: Ob er amüsiert oder provoziert, Zustimmung, Ablehnung, Nachdenken oder Aggression erzeugt, leise oder laut agiert, konventionell oder überraschend, ist ihm überlassen.

Dabei bleibt eine „Überraschungsgrauzone“; denn ob ein Publikum so reagiert, wie es der Künstler unterstellt, wenn er seine Intervention plant, ist nie sicher. Auch hier entsteht ein meist produktives Spannungsverhältnis zwischen der Interventionsabsicht des Künstlers und dem Effekt, den er tatsächlich erzielt.

"Peenemünde Compassion" Butoh-Performance

 

Warum gerade Peenemünde?               

Peenemünde ist steingewordene Geschichte. Die divergierenden und polarisierendenThemen dort reichen von menschlichem Erfindergeist und Schöpfertum bis zu den schwarzen Abgründen, dem Bösen im Menschen, der seine Mitmenschen versklavt und vernichtet. Der die Menschheit weiterzubringen glaubt und die Vernichtung und den Schmerz, den er ihr zufügt, nicht wahrnimmt, billigend in Kauf nimmt und an dem er im schlimmsten Fall Vergnügen findet.

Die Ausstellungen dort zeigen zum Einen die technischen Entwicklungen, den homo faber, faszinieren den Besucher auf dieser Ebene und bleiben so im kollektiven Gedächtnis. Zum anderen machen die künstlerischen Kommentare von Iglesias Mayo und dem Druckgrafiker Aragon im Projekt                   "Imprinting History" den Menschen neben und hinter der Technik sichtbar.

 

 

 

Warum gerade deutsch-japanische Zusammenarbeit?

Ziel der Arbeit an der Performance ist es, die Perspektive der japanischen und deutschen Künstler auf ein gemeinsames Stück Geschichte zusammenzuführen, gemeinsam an dessen Bewältigung zu arbeiten und einen ebenfalls gemeinsamen Blick auf die globale Zukunft zu werfen. Wir verbinden Elemente japanischer und europäischer Kultur und Geschichte. Es geht um ethische Fragen im Umgang mit Technik und den gedanklichen Austausch zwischen Vertretern europäischer und japanischer Kultur.

 

 

 

 




Herrenhäuser – Supermärkte

Konzeption und Fotografie
Sibylle Duhm-Arnaudov
Recherche und Fotografie
Peter Lauck

Projektbeschreibung

Herrenhäuser und Schlösser sind in Ostvorpommern häufige und typische Relikte der ehemals feudalen Strukturen, die hier bis 1945 herrschten.


Nach 1945 wird der Grundbesitz enteignet und die Gebäude werden zum größten Teil Nutzungen zugeführt, die der Allgemeinheit dienen. Der Wohnraum in Gutshäusern wird in kleine Wohneinheiten unterteilt. Es kommt zu Plünderungen, Entstellungen und Verkrüppelungen an den feudalen Bauwerken. Der kulturelle Wert der Bauwerke und ihrer Einrichtung geht häufig verloren. 

Nach der Wende sind die kleinen Gemeinden überfordert, die erheblichen Mittel aufzubringen, um die Gebäude jeweils zu erhalten. Es entstehen Fördervereine und Ähnliches, um wenigsten den gröbsten Verfall zu stoppen.

Es gibt zunehmend Beispiele, in denen die Restaurierung glückt. Teilweise aus privaten Mitteln, wie beim Schloss Buggenhagen, das nach langer Leidensgeschichte von Dr. Till Richter liebevoll restauriert wurde und noch wird und als Museum für zeitgenössische Kunst wieder einen hochkarätigen kulturellen Akzent in dieser Gegend setzt, teilweise auch aus Spenden wie bei Schloss Stolpe. Schloss Stolpe dient zum Beispiel als musikalische Bildungsstätte und ist für die Öffentlichkeit zugänglich, die den Fortschritt der Renovation miterleben und unterstützen kann.

Diese Herren-, Gutshäuser und Schlösser sind zu Bildern geworden, die die vielfältige Brechungdurch die Geschichte verdichten und erfahrbar machen.Sie wurden konfrontiert mit den Repräsentanten unserer Gegenwart, den Supermärkten, die sich wie je ein Gürtel auch um die Städte Greifswald, Wolgast und Anklam legen. Sie wurden durch diese Supermärkte und Einkaufszentren getragen und dort fotografiert. In den Fotografien verbinden sich die verschiedenen Ebenen zu einem ästhetisch wahrnehmbaren Ganzen.




Ausstellung Schloss Stolpe 2016

Kunst im Süden

Konzeption und Malerei
Sibylle Duhm-Arnaudov
Fotografie und Mediengestaltung
Petra Hagelauer

Projektbeschreibung

Die Volksbank Heslach war für vier Wochen öffentliche Straßengalerie. Jeder Passant konnte in ihren Schaufenstern hinter die Schaufenster von Geschäften und Restaurants in der Böblinger Straße schauen.
Wir machen die Kraft der kulturellen Vielfalt in der Böblinger Straße durch diese Kunstintervention erlebbar.
Als künstlerischer Impuls dienen drei Gemälde von galicischen Getreidespeichern. Sie sind Symbol für die Absicherung der Existenzgrundlage – die Grundlebensmittel– und somit der „gemeinsame Nenner“ der Ortsansässigen, die mit ihren Geschäften ihren Lebensunterhalt bestreiten.
Die Gemälde wurden in 24 Geschäften und Restaurants zwischen Marienplatz und Erwin-Schöttle-Platz mit den unterschiedlichsten kulturellen Umfeldern konfrontiert und fotografiert.
Mit unserer Dokumentation zeigen wir, wie die Bilder ihre Umgebung beeinflussen und wie die Umgebung die Bilder beeinflusst.

im Kontext fotografierte Malerei Hórreos Kreide/Graphit auf Leinwand Fotografie Petra Hagelauer



Jeder Engel ist schrecklich...

Artikel aus "Spiel und Theater"

56.Jahrgang Heft 173

April 2004